Mittwoch, 25. Juni 2008
Montag war es mal wieder soweit, ein neuer Webmontag in München stand ins Haus. Anbei die Zusammenfassung der Vorträge sowie ein paar Impressionen. - Konzeptvorstellung einer viralen Kampagne für Focus Campus: Eine virale Kampagne mit Hilfe eines extrem witzigen Maskottchens, welches zum einen im Internet auf Social Networking Sites beheimatet ist, zum anderen aber auch Guerilla Aktionen wie Uni Besuche und Ubahn Fahrten mit dem Verteilen von Postkarten macht. Zum Abschluss gab es noch ein kleines Video, wie "Cliff Farrell" im englischen Garten in München spazieren geht, absolut totkomisch. Leider habe ich hier keine URL zum Thema vorliegen und googlen ergab auch nicht wirklich was. Ich glaube aber im Hinterkopf zu haben, dass die Kampagne demnächst erst anläuft.
- Vorstellung netvibes: Netvibes ist eine Portalseite, auf der man seine persönlichen Widgets (RSS, Flickr, Birthday Reminder, Wetter, leo, youtube) einbinden kann. Widgets können auch selber entwickelt werden. Geschäftsmodell ist die Entwicklung von Widgets (nur am Rande) sowie Anbieten eines Premiumservices - so wie ich es verstanden habe, stellt man hier Kunden ihre eigene Netvibesplattform zu Verfügung. Ganz interessant, allerdings habe ich genau wie bei Google das Problem, dass meine Daten irgendwo zentralisiert liegen (deswegen hat man tinytiny rss und Konsorten), so dass das eigentlich nur etwas für den Enduser ist, der sich über derartige Themen keine Gedanken macht. Interessant (hat man zwischen den Zeilen allerdings nur rausgeholt) ist das Prinzip des virtuellen Unternehmens. Die Leute scheinen quer über den Globus verteilt zu sein, Netvibes Deutschland besteht nur aus Magdalena Böttger aktuell - darüber würde ich gerne mehr hören, Organisation, Infrastruktur, Kommunikation, Probleme etc... Nächstes Mal vielleicht?
 - Kurzvortrag über Barcamps: Nils Hitze hat kurz erläutert, was ein Barcamp ist und die nächsten beiden Termine in München genannt. Einer dieser Termine ist aber exklusiv für Frauen (und fällt leider mit einer Typo3 Konferenz in München zusammen). Das Barcamp für alle scheint im Oktober bei Sun stattzufinden. Bei genug Teilnehmern sogar zwei Tage - also nix wie anmelden. Irgendein technisch orientierter Vortrag für Webframeworks sollte ja dann von meiner Seite auch drin sein.
- oneaim.org: Der von technischer Seite mit Abstand komplexeste Vortrag des Abends, bei dem die Mehrheit wahrscheinlich sehr schnell abgeschaltet hat. Kurz zusammengefasst geht es um ein soziales Meta Netzwerk, welches das Internet zur besseren Vernetzung der einzelnen Organisationen verwendet. Auf technischem Level geht es hier um eine Erweiterung bestehender Standards (RSS, Atom), um eine bessere und zielgerichtete Suche bereitzustellen als dies im Moment der Fall ist. Außerdem soll auch die Einspeisung in das Netzwerk nicht zentralisiert erfolgen (hierbei stösst man natürlich auch Probleme wie Spam etc). Definitiv kein Thema für einen 10 Minuten Vortrag, aber für das Barcamp wäre das mit Sicherheit interessant, allein aufgrund einer etwas genaueren Vision des Projektes, um zu verstehen, wo diese Reise hingehen soll - der Anwendungszweck scheint wesentlich weiter gefasst als nur für social software.
- einfallsreich.tv: Der Preis für den unterhaltsamsten Vortrag ohne Zuhilfenahme eines Maskottchens geht eindeutig an Burkhard Rosskothen von einfallsreich.tv, einer Plattform, bei der die Produzenten dafür zahlen, dass der Film auf die Plattform gestellt werden darf. Und das Geschäftsmodell funktioniert trotzdem. Ich denke hier darf man wieder mal getrost vom Long Tail sprechen - der Teil der Zuschauer wird relativ gesehen minimal sein, absolut aber wohl mehr als ausreichend. Dass das Fernsehen in seiner aktuellen Form eigentlich schon tot ist (etwas um eine bestimmte Uhrzeit schauen? Mit Werbung? Von gestern..), wissen außer den Fernsehanstalten immer mehr Menschen.
- Seneschall: Hier hat dann so langsam meine Konzentration in dem doch ziemlich vollen Vortragsraum abgebaut. Das Geschäftsmodell von Seneschall wurde aus dem Publikum mit "User-generated SEO" umschrieben. Der Benutzer (das Wort "Noweb" für Webeinsteiger war mir bis gestern auch noch nicht bekannt) legt sich eine Art Shop an, in dem er Produkte nicht direkt verkauft, sondern im Prinzip nur empfiehlt und "mit einer Geschichte" versieht, die den Surfer zum Kauf anregt. Durch die Provision beim Verkauf kann sich der Nutzer seine Zeit refinanzieren. Zwei Knackpunkte hat die Sache in meinen Augen. Erstens hängt das Prinzip vom Faktor Suchmaschine ab. Der "Shop" muss vor anderen gefunden werden. Soweit noch ok. Problematisch wird es erst, wenn beispielsweise Google den Suchalgorithmus ändert und seneschall Shops im Ranking herunterdreht. An dieser Stelle ist man einfach von externen Faktoren abhängig. Fatal als Geschäftsmodell. Punkt zwei ist der Fakt, dass bei der Suche nach einem Produkt noch keine Transaktion abgeschlossen ist. Ob ich mein Produkt jetzt bei amazon in einem der Shops kaufe für Preis X oder in dem Preis noch die Provision für seneschall und des Nutzers mitzahlen muss, macht sich ja wahrscheinlich im Endpreis bemerkbar. Und dass der Nutzer seine Suche abbricht und nicht mehr nach günstigeren Angeboten sucht, wenn er den Seneschall-Shop gefunden hat, bezweifle ich an dieser Stelle mal stark. Aber es scheint trotzdem zu funktionieren, wie der Geschäftsführer berichtet hat.
- Flamap: Yet another social network, aber diesmal natürlich alles ganz anders und besser. Hierbei handelt es sich um ein Social Network, in welchem die Freunde auf einer Karte als Stadt kartografiert sind. Man selber definiert sich durch sein Haus. Dieses Haus kann gegen Geld upgradet werden (Auto, Garage, wasauchimmer), und je aktiver man im sozialen Netzwerk ist, desto eher wird man in die Stadtmitte gestellt. Das UI erinnerte mich spontan an Sim City, die Idee an "Mein Haus, mein Auto, mein Boot" in virtuell. So wirklich begeistert bin ich von der Sache nicht (es ist nicht wirklich etwas neues), allerdings sind die Initiatoren das, man darf also gespannt sein, wie sich das noch entwickelt. Technisch interessant ist das Tool, in Flash geschrieben, mit dem man mit Sicherheit auch interessante "reale" Anwendungen entwickeln könnte, beispielsweise im GIS-Bereich.
Organisation: Top. Häppchen, Getränke, Musik, Zwei Sääle, da der eine letztes Mal schon aus allen Nähten platzte. Die Medienhochschule eignet sich aufgrund der Infrastruktur perfekt für solche Events. Die Moderation war auch super, die Vorträge sind dieses Mal auch gecuttet worden. Wirklich interessant war dann auch der Part nach den Vorträgen. Zum einen habe ich noch ein wenig über das Barcamp erfahren, zum anderen haben wir festgestellt, dass es in München zwar theoretisch eine Riesen IT Szene gibt, diese aber überhaupt nicht vernetzt ist. Weder Linux User Group (da es viele kleine Splitterungen gibt), noch GUUG noch PHP User Group sind großartig ausgeprägt. Eine Ausnahme ist die Java User Group. Da wird man in der Zukunft mal sehen müssen, was man noch machen kann. Des Weiteren habe ich ein wenig über das JavaScript Framework dojo erfahren, welches ich mir mal noch genauer ansehen werde, wenn ich die Zeit dazu habe. Momentan ist alles etwas eng. Zum einen habe ich noch ein paar interessante Dinge in meiner Queue, zum anderen habe ich auch gerade meinen Job gewechselt, so dass ich dort noch voll in der Einarbeitung stecke. Alles in allem bleibt nur zu sagen, dass ich mich auf den nächsten Webmontag freue, auch wenn er nur halb so gut werden würde.
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